StartseiteBram(Ginster)-Feld für Bramfeld

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- Die Idee -
Die Idee „Ein Bram-Feld für Bramfeld“ stammt von Frau Hannelore Zuschlag vom Stadtteilarchiv Bramfeld und die Realisierung nahm der Verein Bramfelder Umwelttag unter der Projektleitung von Herrn Plezia in die Hand.

Herr Plezia erläutert - Foto: Oest -


Auf rund 400 qm sollte Besenginster in Form des Bramfelder Wappens angepflanzt werden, um auf die Namensgebung des Stadtteils aufmerksam zu machen.
Der früher überall in Bramfeld wachsende Ginster wurde auf plattdeutsch „Brambusch“ genannt und findet sich auch als Symbol auf dem Bramfelder Wappen.


Zukünftig werden nun hoffentlich wieder in jedem Mai die kleinen gelben Blüten in Bramfeld zu sehen sein und im Herbst können aus den Ästen Besen gefertigt werden.

Ginsterfeld Mai 09 - Foto: Wohlrab -


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- Die Realisierung der Idee -
Etwa 2005 begannen Herr Plezia und Herr Oest zu prüfen, ob und wie sich diese Idee in die Tat umsetzen ließ. Als Mitglieder des Vereins Bramfelder Umwelttag brachten sie dort Ihr Anliegen vor und warben erfolgreich um Geld. Nun musste eine passende Fläche gefunden werden und der Kampfmittelräumdienst das vorgesehene Gelände überprüfen.

Ausgewählte Fläche - Foto: Plezia -


Dann gingen die Ausschreibungen an die Gartenbaubetriebe heraus und die Garten- und Landschaftsbaufirma „Garden Art Norbert Heymann“ übernahm die Vorarbeiten zur Pflanzung und deren Kosten.

Endlich war es so weit: der erste Spatenstich erfolgte im Februar 2008 und auf der Wiese nördlich der Osterkirche konkretisierten sich die Vorbereitungen für das Entstehen eines Besenginsterfeldes!


Baggerarbeiten - Foto: Oest -


Die Gartenbaumschule Kähler lieferte und pflanzte die Büsche(mit großzügigem Rabatt), für die sie eine deutschlandweite Anfrage starten musste, um die gewünschte Menge an Ginsterbüschen zu erwerben, weil die benötigte Menge von 1050 Ginsterbüschen in keiner Baumschule mehr auf Lager ist. Außerdem sollte es die reine Art Besenginster (Cytisus scoparius (L.) LINK ) sein und keine Hybriden, die zu hoch, nicht so biegsam und nach einer gewissen Zeit im unteren Buschbereich zu kahl sind.

Feld in Wappenform - Foto: Plezia -


Jetzt begannen die Pflänzchen zu wachsen, aber im Mai 2008 waren noch keine gelben Blüten in Sicht. Dafür aber im folgenden Jahr und im August sollen die Zweige immer geerntet und daraus Besen gebunden werden – wie früher.

Junge Pflanzen - Foto: Wohlrab -


Die Voraussetzungen für Ginster (Cýtisus scorpárius (L.) Link)
auf Bramfelder Gebiet waren gut (Text: Herr Plezia)

Bei Sielbauarbeiten im Jahre 1932 fand man in einer Tiefe von 3-4 Metern in dem Streckenabschnitt zwischen Seekamp und Anderheitsallee ein interglaziales (zwischeneiszeitliches) Torflager. Diese Schichten belegen, dass hier in der letzten Zwischeneiszeit tatsächlich eine Wald-, und Sumpflandschaft existierte. Untersuchungen ergaben, dass sich der Pflanzenbestand aus Eichen, Birken, Erlen, Fichten, Zitterpappeln, Weißbuchen und Haselsträuchern zusammensetzte.

Wiederansiedlung - Foto: Oest -


Diese Wälder prägten das Landschaftsbild, bevor die ersten „Bramfelder“-Siedler begannen, das Land durch Rodung und Plaggenwirtschaft (hier werden 4-6 cm tiefe Narben von Heide- oder Grasflächen abgeschält und als Stallstreu verwendet) nutzbar zu machen. Anschließend wurde dei Stallstreu kompostiert und als Dünger den Geestböden zugeführt.

So entstand im Laufe der Jahrhunderte eine 50-100 cm dicke Humusschicht auf einigen Teilen des Geestbodens und extensiver Beweidung wichen die Birken-Eichen-Wälder der Heide - einer offenen, gehölzarmen, nicht selten parkähnlichen Landschaft.

Feld im Mai 08 - Foto: Plezia -


Im Erdbuch von 1708 heißt es zum Dorfe Bramfelde:

„DER DRITTE THEIL, WAN ZWEY THEILE VON IHREN SCHLÄGEN UND ACKERLANDE UNTER DEM PFLUGE, LIEGET IN DRESCHE ZUR WEYDE. AUSSER IHRER ACKERWEIDE, WORAUF SIE MEHRENTEILS DIE PFERDE UND ZUWEILEN AUCH DIE KÜHE SCHLAGEN. HABEN SONST EINE HEYDE-WEIDE … WORAUF SIE IHR GESAMTES VIEH, ALS OCHSEN, KÜHE, JUNGVIEH UND SCHAFE TREIBEN.
AUSSER IHREN HEYDEN KÖNNEN SIE PLAGGEN SCHLAGEN, PLATTEN GRABEN UND STREUELS MACHEN. DIE WIESEN SIND NICHT BEFRIEDET, SONDERN LIEGEN IN EINER FLAGGE (FLÄCHE) UND IST EINES JEDEN ANTHEIL MIT STEINEN ODER SCHEIDUNGSFRIED ALS MIT EINEM KNICKBUSCH BEMERKET…“

Feld im Herbst 08 - Foto: Wohlrab -


Beim Roden ließen die Bramfelder stets einen Gebüschstreifen zwischen den aneinandergrenzenden Flächen stehen, welcher Rehmbusch genannt wurde. Mit hoher Wahrscheinlichkeit enthielten diese Randstreifen auch den Ginster, der natürlich die teils lehmigen Sandböden der Grundmoränen (am Grund des Gletschers verfrachteter Gesteinsschutt) und dem Sander (fächerförmige, flache Schotter- und Sandfläche, am Tand der Endmoränen durch Gletscherschmelzwasser abgelagert) der letzten Eiszeit besiedelt.

Ortschaften, die Rehmfluren in ihrer Feldmark haben, sind frühestens im 12. Jahrhundert entstanden. Im Rehmen hieß auch eine große Ackerfläche, die dort lag, wo heute die Straße Reembusch verläuft. Es ist anzunehmen, dass hier der Ginster einst anzutreffen war.

Feld im Winter 08/09 - Foto: Wohlrab -


Leider finden sich in der Literatur nur schwerlich Zeitbelege von Ginstervorkommen auf Bramfelder Gebiet. In dem Buch „Flora der Umgegend von Hamburg, Altona und Harburg“ (F.C. Laban 1872) indes findet sich ein vager Hinweis.
Hier heißt es:“ Sarothámnus scoparius Wimmer (heute Cýtisus scopárius (L.) Link) wächst in Holzungen (Einschläge, Lichtungen) und auf sandigen Heiden“, was auf große Teile Bramfelds und Norddeutschland zutrifft.

Dass der Ginster in diesem Teil von Hamburg vorkam, ist unumstritten und seit Jahrhunderten im Namen Bramfeld dokumentiert.

Erstes Gelb Ende April 2009 - Foto: Wohlrab -


Anfang der Neunziger Jahre schrieb eine ältere Bramfelderin, Elfriede Schümann:

In meiner Kindheit (vor rund 60 Jahren) gab es noch viel Ginster in Bramfeld. Er wuchs überall an Weg-, und Feldrändern, in Knicks, in den alten Sandkuhlen, am Rand der Bramfelder Tannen, ja sogar im Chausseegraben. Er duftete stark und seine bienenumsummten gelben Blüten leuchteten weithin“.

Feld Mai 09 - Foto: Wohlrab -


Herbst 2009 - Foto: Wohlrab -


Januar 2010 - Foto: Wohlrab -


Gewöhnlicher Besenginster - Geißklee
Ethymologie

Cýtisus scopárius (L.) Link
cýtisus vom griechischen kýtisos = eine Kleeart
scopárius spätlateinisch = besenliefernd

Synonyme: Génista scopária (L.) Lamarck
Génista lateinisch = Ginster
scopária vom lateinischen scópa = Besen

Sarothámnus scopárius (L.) Wimmer ex W.D.J. Koch
sarotámnus griechisch = Besenstrauch
scopárius spätlateinisch = besenliefernd.

Blüte - Foto: Plezia -


Einige volkstümliche Namen: Besenginster, Besenkraut, Besenpfriem, Besenstrauch, Bram, Frauenschüchel, Grünspan, Hasengeil, Eifelgold

Der Besenginster (Cýtisus scopárius) gehört in die Familie der Schmetterlingsblütengewächse (Fabaceae). Zweig Ginsterartige (Genisteae) und hier zu Gattung Geißklee (Cýtisus Linne).
Der Besenginster (Cýtisus scopárius) wird bis 2,00 m hoch. Seine grünen, fünfkantigen und rutenförmigen Zweige, die zur Photosynthese fähig sind, wurden zur Herstellung von Besen genutzt und gaben ihm den volkstümlichen Namen Besenginster.
Während der Blütezeit (Mai bis Juni) bildet er goldgelbe Blüten (-2,5cm) aus, die einzeln oder zu zeit blattachselständig am Stiel sitzen und vermehrt in den oberen Zweigteilen auftreten. Die Fahne ist zurückgeschlagen und etwa gleich lang wie Schiffchen und Flügel. Durch seine lebhaft gelbe Farbe ist er sehr auffällig an seinen Standorten und für jedermann gut erkennbar.


Der Name „Geißklee“ verweist auf die meist kleeartig dreigeteilten Blätter von seidiger Behaarung. Die kleinen Blätter von 0,5 – 1,5 cm Länge stehen wechselständig, sind kurz gestielt oder aber sitzend.

Die Heimtat des Besenginsters (Cýtisus scopárius) ist Europa, Vorderindien und Japan.
Hier wächst er an Waldrändern, in Waldlichtungen, auf Bergwiesen (außer in reinen Kalkgebieten), in Heidegebieten und an Wegen und Böschungen. Der Besenginster (Cýtisus scopárius) liebt basen- und stickstoffarme Böden, die lehmig, sandig und steinig sein können. Er bildet größere Bestände aus und kann landschaftsbestimmend sein.

Blätter - Foto: Plezia -


In den anfangs seidig behaarten Hülsen, die später schwarz und flach zusammengedrückt sind, bilden sich mehrere braune Samen aus. Die Früchte sind von Juli bis in den Winter hinein zu sehen.

Als Arzneipflanze wird aus Kraut des Besenginsters (Cýtisus scopárius) ein Extrakt hergestellt, welches in der Naturheilkunde bei funktionellen Herz-Kreislauferkrankungen eingesetzt wird. Die wichtigsten Inhaltsstoffe sind Spartein, das auf dass Reizleitungssystem wirkt und dort die Erregungsbildung hemmt, und Tyramin, der einen zu niedrigen Blutdruck beeinflussen kann.

Besenginster ist auf keinen Fall zu Selbstmedikation geeignet.
Die Informationszentrale gegen Vergiftungen der Universität Bonn stuft die Giftigkeit des Besenginsters als gering giftig bis giftig ein. Giftig ist er durch Chinolizin-Alkaloide. Hauptwirkstoffe: Spartein und Lupanin.

Alle Pflanzenteile sind giftig!
Gesamtalkaloidgehalt sind beim Samen 1,5%, bei der Blüte 0,3% und bei Blatt und Zweig 0,2 - 0,8%. Vergiftungserscheinungen ähnlich der durch Nicotin. Beobachtet wurden Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö (Durchfall), Salivation (Speichelfluss, Speichelabsonderung), neurologische Symptome, Kreislaufkollaps und Rhythmusstörungen, In der Literatur beschriebene Todesfälle waren durch sparteinhaltige Arzneimittel bedingt. In neuerer Literatur finden sich keine Bericht über schwerwiegende Verläufe.
Daher nie Teile der Pflanze verzehren!

Hülsen - Foto: Plezia -


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Besenginster ernten - Besen binden

Mitte August 2009 war es dann so weit: der Ginster konnte das erste Mal geerntet werden!

Herr Plezia eröffnet die Ernte - Foto: Wohlrab -


Egbert Läufer vom Museumsdorf Volksdorf konnte dafür gewonnen werden mit seinem historischen Werkzeug und unter seiner fachmännischen Anleitung Ginsterbesen zu binden.

Egbert Läufer - Foto: Wohlrab -


Für den Stil werden Äste von Haselsträuchern geschält und angespitzt.

Stile schälen - Foto: Wohlrab -


Die geernteten Ginsteräste werden gekürzt und stramm zusammengebunden.

Besen binden - Foto: Wohlrab -


Zum Schluss wird der Stil in den Besen gesteckt: fertig.

Stil einstecken - Foto: Wohlrab -


Der erste frisch gebundene Besenginsterbesen wird dem Historischen Kinderprojekt vom Stadtteilarchiv Bramfeld übergeben, um den Bramfelder Kindern bei den Veranstaltungen zu zeigen, was aus dem Ginster früher gemacht wurde.

Der erste Besen - Foto: Wohlrab -


In Zukunft sollen Kinder die Besen binden, wenn der Bramfelder Ginster geerntet wird.
Die Prämiere hat schon richtig viel Spaß gemacht!

Kinderleicht - Foto: Wohlrab -


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Sommer 2010 -


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